Intermezzo: DIE RHEINPFALZ , Okt. 18: Bier fließ aus Wasserhähnen

Kultur Regional

Das Bier fließt aus Wasserhähnen

Indischer Autor Anant Kumar liest an der Zweibrücker Hochschule aus seinem Debütroman „Berlin – Bombay“

Von Konstanze Führlbeck

„Berlin – Bombay“ heißt der Debütroman von Anant Kumar. Der in Kassel lebende indische Schriftsteller stellte ihn am Freitag in der Kapelle der Fachhochschule vor.

Die kauzig-humorvolle Art des quirligen Autors fiel schon auf, als er die knapp 30 Zuhörer begrüßte. Im Mittelpunkt des Romans steht der indische Wissenschaftler und Professor Dipak Talgeri und seine Beziehung zu der deutschen Kellnerin Eva Seilmeyer. „Ich wollte das Leben eines skrupellosen Karrieremachers darstellen und kritisch hinterfragen“, erläuterte Kumar. „Nach Gandhi kippte die indische Gesellschaft um, von hohen Idealen hin zu Karrierestreben und Korruption. Gestalten wie Talgeri gibt es in der Akademikerszene weltweit. Er will so schnell wie möglich aufsteigen, ein Global Player werden, Macht ausüben. Aber beim Schreiben hat sich der Roman anders entwickelt.“

Wenn Anant Kumar liest, baut er Spannung auf, ist witzig und unterhaltsam. „60 000 Wörter über die Nacht – in Berlin und Bombay, in 22 Kapiteln. Jedes davon wird eröffnet von einem Zitat aus Goethes ,Faust`,“ stimmte er seine Zuhörer auf die Lesung ein.

Nicht nur durch diese Hommage versuchte der Autor, eine Verbindung zwischen deutscher und indischer Kultur herzustellen. Im ersten Auszug seiner Lesung stellte er den jungen indischen Germanisten Dipak Talgeri aus Bombay als Promotionsstudenten in Deutschland vor. In seiner lebhaft-temperamentvollen Vortragsweise griff er dabei Fremdbilder und Klischees auf.

Malaria und Armut seien in Deutschland ein unbekannter Begriff, das Bier fließe aus den Wasserhähnen. Und der junge Doktorand Dipak tat, was viele andere auch taten: Er gab viel Geld von seinem Stipendium für teure Telefonate mit seiner Mutter aus, mit den immergleichen Ermahnungen, sich auf sein Studium zu konzentrieren und auf seine Gesundheit zu achten. Und er kaufte viele Süßigkeiten und Spezialitäten wie Lindt-Schokolade und Marzipan für sie ein.

Die Stimmung der progressiven nationalistischen Eliten und der Mittelschicht im Indien der späten 60er und frühen 70er Jahre wurde hier greifbar, ebenso ihr Deutschlandbild. Die Entnazifizierung war ein Thema, aber auch das Wissen, dass Hitler Vegetarier gewesen sei.

Ernüchtert musste der Nachwuchswissenschaftler dann feststellen, dass die jungen Deutschen gar kein so großes Interesse an Indien hatten. Für sie waren die USA, andere europäische Länder, die Versöhnung mit den sozialistischen Staaten Osteuropas und der Weltfrieden wichtig. Indien mit seinem Atomprogramm war da suspekt.

Ganz anders ist Eva Seilmeyer aufgewachsen, die Kellnerin mit den ostpreußischen Wurzeln, in die sich Dipak Talgeri verliebt. Auch sie hat ihre Vorurteile, so ist sie beispielsweise über Dipaks helle Haut erstaunt. Inder gehörten doch zu den dunklen Völkern, so dachte sie bisher.

Kumar zeigte seinen Protagonisten, inzwischen in Indien Professor geworden und standesgemäß verheiratet, dann wieder in den 90er Jahren bei einem Germanistenkongress in Mönchengladbach.

Im Treffen mit Eva, aber auch mit seinem amerikanischen Freund Hendrik McCartney machte Kumar hier die Veränderung seiner Hauptfigur deutlich. Auffallend waren dabei die feine Ironie, die Doppelbödigkeit der Sprache, die zu den Qualitäten von Kumars Stil gehört und ein Augenzwinkern und Funkeln in seine Präsentation brachten.

Lesezeichen

Anant Kumar: „Berlin – Bombay. Aus dem Leben von Eva Seilmeyer und Dipak Talgeri“. Verlag Auf der Warft (ADW) im Geheimsprachen-Verlag Münster 2016, 290 Seiten, 19,80 Euro.

13. „Berlin-Bombay“ unter wachen Geistern:Hochschule Merseburg,12.11.18

Kurzkritik:

Nach einer DB-Odyssee traf Romanautor Kumar doch zeitig in Merseburg ein.

In einer angenehmen Runde aus ca. 2 Dutzenden von aufgeweckten Studierenden fand die Lesung statt. Das Interesse am Wort war auffallend rührend. Die paar TN, die zur Auf- und Entnahme der Flüssigkeiten ihre Plätze verließen, kehrten im Nu zurück. D. h.: Die gedruckten Bücher haben lange noch ihre Zukunft im virtuellen Zeitalter.

kumar

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12. Hochschule Kaiserslautern,26.10.18

19.10.2018 News

Indischer Kulturabend

Am Freitag, den 26.10.2018, 18.30 Uhr, findet am Standort Zweibrücken, Kapelle (N101), eine Lesung des indischen Autors Anant Kumar statt, der sein neuestes Buch „Berlin-Bombay“ vorstellen wird. Kumar hat in Neu-Delhi, Kassel, Wien und Montpellier studiert, lebt als freier Schriftsteller in Kassel und tourt als literarischer Wanderarbeiter durch Europa und Amerika.
„…Kumars zentrales Thema ist die interkulturelle Wahrnehmung und Begegnung, dabei gelingen ihm scharfe Beobachtungen abseits von Betroffenheitsjargon oder klischeehaften Exotismen….“ (Peter Wood, Ausz. Literaturlexikon).

Im Rahmen dieser vom International Office der Hochschule organisierten Veranstaltung wird zudem der diesjährige DAAD-Preis für ausländische Studierende an eine Studentin aus Indien vergeben.
Dieser Preis wird vom DAAD für ausländische Studierende mit guten Studienleistungen und zugleich besonderem sozialen oder hochschulinternem Engagement den Hochschulen zur Verfügung gestellt. Die Verleihung wird den feierlichen Auftakt der Veranstaltung machen. Abgerundet mit Getränken und indischen Häppchen, freut sich das International Office auf einen rundum schönen indischen Kulturabend.

https://www.hs-kl.de/hochschule/aktuelles/news/detailanzeige-news/news/indischer-kulturabend/

10.)05.07.18: Universität Köln: Themenreihe “Kulturelle Identität”

Unter der Themenreihe „Kulturelle Identität“ des Referats für Antidiskriminierung und Kultur des diesjährigen AStA wollen wir Euch mit Freude den Schriftsteller Anant Kumar vorstellen, der am Donnerstag, den 5. Juli eine Lesung aus seinem aktuellen Roman „Berlin- Bombay“ mit anschließender Diskussionsrunde halten wird.

Der in den deutschsprachigen Ländern vor allem durch seine satirisch-glossenhafte Kurzprosa, Kinder- und Jugendbuchbeiträge, Gedichte und Essays bekannte und mehrfach ausgezeichnete Kumar, zuletzt 2015 Stadtschreiber in Gotha, hat seinen ersten Roman herausgebracht, mit Unterstützung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft & Kunst. Der seit 1997 auf der literarischen Bühne agierende Kumar wurde 1969 in Katihar/Indien geboren. Er besuchte die Schule in Motihari und ging anschließend an die Jawaharlal Nehru Universität in Neu-Delhi. 1991 kam er nach Deutschland, studierte in Kassel, Wien und Montpellier.

In heutigen Zeiten der Flucht und unfreiwilliger Begegnungen verschiedener Sprachen, Religionen und Kulturen möchte sich der Autor mit seinem Roman „bei den Menschen bedanken, die kulturelle Diversität und Multilingualität innehaben, sie ausleben und somit zu der natürlichen Entfaltung des Geisteslebens multikultureller Gesellschaften beitragen.“
In dieser Welt des Verschiedenen führt uns der Autor mit der ihm eigenen erzählerischer Leichtigkeit in die Verwicklungen und Tragik einer Liebe zwischen den Welten, die auf verschiedenen Ebenen von Zeit und Raum mehrdimensional erscheinen.

Kumars zentrales Thema ist die interkulturelle Wahrnehmung und Begegnung, dabei gelingen ihm scharfe Beobachtungen abseits von Betroffenheitsjargon oder klischeehaften Exotismen. Seine Originalität speist sich aus selbst-bewusster Zugehörigkeit zu verschiedenen Welten.

Eintritt frei!

Datum:
5. Juli
Zeit:
18:00 – 19:30
Website:
https://bit.ly/2Mt4D39

Veranstaltungsort

Hörsaal VIIb (Hauptgebäude)
Albertus-Magnus Platz 1
Köln, 50931 Deutschland

Veranstalter

Referat für Antidiskriminierung und Kultur AStA Uni Köln